Rund 100 Tage nach der Inbetriebnahme der Koralmbahn für den Güterverkehr zieht die ÖBB Rail Cargo Group eine erste Bilanz. Seit 1. November 2025 seien laut Unternehmensangaben etwa 1.050 Güterzüge mit mehr als 21.000 Wagen und über einer Million Tonnen Fracht über die neue Strecke gefahren.
Kürzere Fahrzeiten und höhere Kapazitäten
Mit der Koralmbahn steht dem Güterverkehr auf der Südachse eine zusätzliche, flachere Strecke zur Verfügung. Die maximale Steigung beträgt zehn statt bisher bis zu 16 Promille. Dadurch können schwerere Züge geführt und Energie eingespart werden. Nach Angaben der Rail Cargo Group lassen sich durch die neue Trassenführung jährlich bis zu 300.000 Zugkilometer vermeiden. Zudem sollen sich Fahrzeiten verkürzen und zusätzliche Kapazitäten schaffen lassen.
Mobilitätsminister Peter Hanke bezeichnete die Koralmbahn als wichtigen Schritt für eine leistungsfähige und klimafreundliche Mobilität. Die bisherigen Erfahrungen im Güterverkehr zeigten, dass moderne Infrastruktur die Verlagerung von Transporten auf die Schiene unterstützen könne.
Bedeutung für den Wirtschaftsstandort
Mit der neuen Verbindung verfügt die Südachse gemeinsam mit der bestehenden Strecke über den Neumarkter Sattel nun über vier Gleise. Laut ÖBB erhöht sich damit die Kapazität entlang der Südstrecke um bis zu 30 Prozent. Das ermögliche schnellere Verbindungen innerhalb Südösterreichs sowie in Richtung der Adriahäfen, erklärte Christoph Grasl, Vorstand der Rail Cargo Group.
Die Koralmbahn gilt als Teil eines umfassenderen Ausbaus der Nord-Süd-Verbindungen. Ihre volle Wirkung soll sich insbesondere mit der Fertigstellung weiterer Infrastrukturprojekte wie dem Semmering-Basistunnel entfalten.
Vorteile im Einzelwagenverkehr
Von der neuen Strecke profitiert nach Angaben der ÖBB vor allem der Einzelwagenverkehr. Dabei werden einzelne Güterwagen aus unterschiedlichen Regionen gesammelt, in Verschiebebahnhöfen zu Zügen zusammengestellt und nach dem Transport wieder getrennt. Durch die Koralmbahn entfallen Umwege über Knittelfeld, Leoben und Frohnleiten, was Transportzeiten verkürzen kann.
Zu den Unternehmen, die die Strecke nutzen, zählt Alpacem. Im Einzelwagenverkehr werden unter anderem Rohstoffe für die Zementproduktion wie Zementklinker und Hüttensand innerhalb Österreichs und bis nach Italien transportiert. Geschäftsführer Bernhard Auer verweist auf zuverlässigere Abläufe und Effizienzgewinne durch die neue Verbindung.
Teil des europäischen Nord-Süd-Korridors
Die Koralmbahn ist Bestandteil des Ostsee-Adria-Korridors, einer zentralen europäischen Güterverkehrsachse zwischen Nord- und Südeuropa. Durch die Anbindung an diesen Korridor soll Österreich seine Rolle als Logistikstandort stärken und Unternehmen schnellere Verbindungen in Richtung Adriahäfen und Industriezentren bieten.







