DB-Studie sieht großes Potenzial autonomer Fahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr

Jan. 16, 2026 | ÖPNV

Autonom fahrende Shuttles und Busse könnten den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland deutlich verändern und verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag von DB Regio, der Regionalverkehrssparte der Deutschen Bahn. Erstmals wurden dabei bundesweite Szenarien für einen möglichen flächendeckenden Einsatz autonomer Fahrzeuge bis zum Jahr 2045 berechnet.

Die Untersuchung mit dem Titel „Autonomes Fahren – Schlüssel für die Mobilität von morgen“ wurde gemeinsam mit dem Verkehrsplanungsunternehmen ioki, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie der Prognos AG erstellt und von einem Expertenbeirat begleitet. Ziel war es, den potenziellen Nutzen autonomer Fahrzeugsysteme für Fahrgäste, Verkehrsaufkommen und öffentliche Haushalte zu analysieren.

Laut Studie entfaltet autonomes Fahren den größten Effekt, wenn es nicht isoliert, sondern als Bestandteil eines ausgebauten und neu strukturierten ÖPNV eingesetzt wird. Insbesondere autonome Shuttles könnten dabei eine zentrale Rolle übernehmen – sowohl als direkte Verbindung zum Zielort als auch als Zubringer zu Bahn- und optimierten Buslinien. Ein reiner Ersatz heutiger Busse durch autonom fahrende Fahrzeuge oder der Einsatz privat betriebener Robotaxis bringe hingegen nur geringe oder sogar negative Effekte. In Metropolen würde der Verkehr durch Robotaxis demnach um bis zu 40 Prozent zunehmen, während ländliche Regionen kaum profitieren würden.

In einem Szenario mit rund einer Million autonomer Shuttles und Busse würden sich die durchschnittlichen Wartezeiten für Fahrgäste deutlich verkürzen. In Großstädten lägen sie bei etwa fünf Minuten, in ländlichen Räumen bei rund 13 Minuten – etwa halb so lang wie heute. Die Reisezeiten kämen laut Studie denen des motorisierten Individualverkehrs nahe oder wären in Ballungsräumen teilweise sogar kürzer.

Zudem prognostiziert die Studie einen deutlichen Anstieg der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Der Anteil des ÖPNV an der gesamten Verkehrsleistung könnte sich demnach auf rund 35 Prozent mehr als verdoppeln. Gleichzeitig würde die Belastung durch den Straßenverkehr in Städten und Metropolen um bis zu elf Prozent sinken.

Auch für die öffentliche Hand sieht die Untersuchung Einsparpotenziale. Trotz eines deutlich ausgebauten Angebots könnten die staatlichen Zuschüsse zum ÖPNV um etwa 20 Prozent reduziert werden. Begründet wird dies mit Effizienzgewinnen durch Automatisierung sowie einer stärkeren Nutzerfinanzierung. Für frühere Autofahrende ergäben sich beim Umstieg auf den ÖPNV Einsparungen von durchschnittlich rund 170 Euro pro Monat.

Die Studie macht deutlich, dass autonomes Fahren aus Sicht der Autoren vor allem dann einen gesellschaftlichen Mehrwert bietet, wenn es systematisch in den öffentlichen Verkehr integriert und mit einem Ausbau des Angebots verknüpft wird. Ob und in welchem Umfang diese Szenarien umgesetzt werden, hängt jedoch von weiteren technischen, rechtlichen und politischen Entscheidungen ab.

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